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Wandel als Chance

 

 

Der Anfang Kaum ein Unternehmen startet hier bei Null. In der Regel gibt es interessante Anknüpfungsmöglichkeiten, z.B. bei der Unternehmensvision, der QM-Philosophie, den ausgearbeiteten Führungsprinzipien oder dem Leitbild eins Unternehmens. In der Regel sind die meisten Ansätze aber bloße Willensbekundungen oder PR-Effekte - um es mal weniger wohlwollend auszudrücken. Das größte Manko besteht indes in der mangelnden Durchgängigkeit und der fehlenden Glaubwürdigkeit dieser Ansätze. In der analytischen Psychologie könnte man hier im übertragenen Sinn von der persona eines Unternehmens sprechen: es ist der schöne Unternehmensschein, das, was man glaubt, nach außen (Öffentlichkeit, externe Partner) oder innen (eigene Mitarbeiter) präsentieren zu müssen. Der Nachteil an solchen relativ äußerlichen Einstellungsmustern ist, daß sie den Adressaten relativ schnell als austauschbar und künstlich erscheinen. Darum sollte man sich vor einer Instrumentalisierung der ethischen Neuausrichtung hüten. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß in der Folge positive Effekte wie stärkere Kundenbindung, eine Zunahme der Mitarbeitermotivation sowie eine verbesserte Geschäftseffizienz eintreten werden. Aber die ethische Neuausrichtung allein deswegen zu forcieren, hätte einen starken Glaubwürdigkeitsverlust des Managements zur Folge. Und Glaubwürdigkeit ist einer der ethischen Kernwerte.

Die Basis einer ethischen Neuausrichtung kann mit einer Rekapitulation der vorhandenen, traditionellen Unternehmenswerte und -einstellungen gelegt werden. Insbesondere gehören hier die Fragen thematisiert: welche Einstellungen praktizier(t)en wir bisher:
  • gegenüber unseren Kunden
  • gegenüber unseren Mitarbeitern
  • gegenüber unseren Anteilseignern und
  • gegenüber sonstigen Partnern (Öffentlichkeit, Politik, Lieferanten, Banken etc.)

In einem Value Inspection & Evaluation Workshop (VIEW) werden die für einen Neubeginn relevanten Werte gemeinsam festgelegt Diese Werte bilden als Charta of Values (CoV) die neue Handlungsbasis für alle relevanten Austausch- und Kommunikationsprozesse des Unternehmens.

 

 
Der Alignmentprozeß Den gemeinsam festgelegten Wertekatalog gilt es in der Folge zu validieren. Bis sich dauerhafte Veränderungen einstellen und die handelnden Personen das neue Wertekonzept habitualisiert haben, müssen ca. drei Jahre veranschlagt werden. Der Wunsch nach schnelle(re)n Resultaten vernachlässigt einerseits Erkenntnisse der Psychologie und ist andererseits häufig Ausdruck eines überzogenen Machbarkeits- und Instrumentalisierungswahns. Es muß auch dringend davor gewarnt werden, eine ethische Handlungsgrundlage erst einmal nur in einem Bereich, z.B. der Mitarbeiterführung oder der Kundenorientierung zu praktizieren. Gerade in Zeiten der Neuausrichtung wächst die Sensibilität für Glaubwürdigkeit und Kongruenz. Werte in einem Bereich als Handlungsorientierung und Motivationsrahmen zu reklamieren und in anderen Bereichen rein instrumentell und taktisch zu agieren, schafft eine Widersprüchlichkeit, mit der die meisten kaum gelernt haben umzugehen.
Manche Berater empfehlen auf gut amerikanische Weise: Werte an die Macht
(z.B. Ken Blanchard. Die neue Managementethik. Hoffmann und Campe)

In europäischem Kontext könnte ein solches Organigramm eher schönfärberisch wahrgenommen werden. Im übrigen geht es auch nicht so sehr darum, jetzt die Werte an die Macht zu bringen, sondern mehr darum, überhaupt Werte als Handlungsmotiv zur Geltung zu bringen. Ein Paradigma, das dieses Ziel gut verbildlicht, kommt aus der Chaosforschung.

 
Fraktale Organisation

 
  Fraktale sind geometrische Figuren, die auf dem Prinzip der Selbstähnlichkeit basieren: jede Teilfigur ist ihrerseits ein verkleinertes Abbild der Gesamtfigur. Für die ethische Neuausrichtung bedeutet dies, daß Managing by Ethics oben wie unten, im Vorstand wie auf Sachbearbeiterebene, d.h. auf allen Ebenen (z.B. kunden- wie lieferantenseitig) als Prinzip erfaßt, gelebt und praktiziert wird. Im ersten Prozeßschritt wird also die Charta of Values entwickelt und auf Top-Managementebene verabschiedet werden.

Im zweiten Schritt hängt alles davon ab, die CoV in alle Unternehmensbereiche und auch nach außen überzeugend zu kommunizieren. Im dritten Schritt werden Vorgehensweisen und Strategien entwickelt, um die CoV erfolgreich zu implementieren. Dazu zählen u.a. das Implementieren von Focus Groups, das Installieren eines Boards of Ethics für Konfliktfälle, das Etablieren von Feedbackrunden oder das Anbieten von spezifischen Weiterbildungsseminaren (z.B. Umgehen mit ethischen Konflikten, Kongruenz & Glaubwürdigkeit)

 

 
Fahrpläne Beispiel für die mögliche Umsetzung eines Ethical Alignment Process:  
   
     
 

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